Auf der Reise zu mir selbst oder wie ich meine Erwartungen losgelassen habe…

Auf der Reise zu mir selbst oder wie ich meine Erwartungen losgelassen habe…

Bali – Insel der Götter. Ich war da. In den frühen 90 ern hat eine Fernreise nach Bali mein Leben nachhaltig verändert. Positiv. Auf den Kopf gestellt. Ich habe etwas Wesentliches begriffen, als ich die Menschen dort sah.

Ich habe verstanden und gefühlt, dass die Balinesen eine tiefe Verbindung zum Sprirituellen haben, dass sie erfüllt leben, in Einklang mit der Natur und sich selbst. Mit so wenig Hab und Gut. Einfach. Das habe ich gesehen. Und ich weiß noch dass ich damals in meinem Herzen ganz deutlich gefühlt habe, so glückliche, zufriedene und erfüllte Menschen habe ich noch nie vorher gesehen in Europa.

Ich wusste schon während dieser ersten Reise, dass genau diese Wahrnehmung mein Leben verändern wird. Tief. Transformierend und nachhaltig.

Ich weiß nicht ob du das kennst, solche Momente: du fühlst tief in dir drinnen eine absolute Klarheit, ein tiefes seelisches Wissen, dass der gegenwärtige Moment gerade eine große Wichtigkeit hat für dich, einen Einfluss auf dein ganzes Leben. In dem Moment bist du mit deiner Seele verbunden und es fließt ein warmes, liebevolles und weises Gefühl durch dich durch.

So war das 1995. Nun war ich nach fast 20 Jahren wieder auf Bali. Ich war schon länger mit dem Gedanken befasst, soll ich zurückfahren oder lieber nicht… ich hatte so ein wundervolles Bild und so eine starke Verbindung und tiefes Glück dort gefühlt.

Dazu kommt noch, dass ich die erste Reise mit meinem damaligen Freund unternommen hatte, mit dem ich eine sehr tiefe und innige Verbindung hatte. Er ist vor 11 Jahren gestorben. Ich habe in mir gefühlt, wenn ich wieder hinfahre, wird mich das auch mit alten Erinnerungen konfrontieren.

Wie das Leben oft so spielt ist es dann ganz schnell und kurzfristig gegangen. Meine Tochter, 18 Jahre, und ich auf dem Weg nach Bali.

Mir war rasch nach der Ankunft klar, es hat sich weit mehr verändert als ich mir vorstellen konnte. Ich war vor den Kopf gestoßen. Tourismus, Hotelburgen und teilweise ziehmlich und sichtlich genervte Balinesen, überfüllte Ferienorte und Stress.

Da war Anfangs einfach Enttäuschung in mir. Hatte ich mir dieses Gefühl vor 20 Jahren eingebildet oder war es tatsächlich verschwunden?

Wo war das Bali meiner Erinnerung? Ich habe gespürt… mit der Zeit, nach ein paar Tagen, dass ich durch meine Vorstellung und Erinnerung ein Bild in mir kreiert hatte, dass beim besten Willen nicht der Realität entsprach.

In dieser ersten Woche habe ich viel in mir bearbeitet, gelöst, erinnert, durchgefühlt und gespürt. Ich habe Traurigkeit gefühlt und Sehnsucht.

Dann der Wendepunkt.

Nach 7 Tagen in der Vollmondnacht, konnte ich nicht schlafen. Oder nur zeitweise. Ich war abends nochmal draußen in Ubud auf der Straße. Ubud war früher ein Dorf mit ein paar Läden und Lokalen. Ich bin durch den nachts schon ruhigen Ort geschlendert und hatte ein intensives Gefühl des Ankommens im Hier und Jetzt. Es war ein wundervoller Spaziergang.

Morgens um 4 Uhr war ich dann wieder wach und bin dann hinaus… ich liebe es den Sonnenaufgang zu sehen. War noch ein bißchen hin – die Sonne geht gegen 6 Uhr auf, also bin ich losspaziert.

Mein Wunder.

Und an diesem Morgen habe ich „mein“ Bali wieder gefunden. Ich habe miterlebt, wie Ubud morgens erwacht. Wie die ersten Frühaufsteher vor ihr Haus kommen – und es waren viele – ihre Opfergaben vor das Haus legen und ein Räucherstäbchen anzünden. Wie sie innehalten und Segensworte sprechen. Ich fühle Frieden, Hingabe, Demut und Liebe in ihrem Ritual.

Es nährt mich. Es erfüllt mich. Ich gehe weiter. Manche Balinesen lachen mich an im Vorbeigehen. Wir sind wie Verbündete im Morgengrauen die sich zunicken. Die Wissen. Die Fühlen. Es ist einfach nur schön. Ich liebe es mit Menschen über einen Blick der achtsam und liebevoll ist, einen Blick der den Anderen sieht und wahrnimmt -in Kontakt zu treten.

Ich merke dass der Himmel langsam an Farbe gewinnt und immer mehr Menschen wach werden. Touristen noch keine in Sicht. Plötzlich ist die Hölle los. Ich nähere mich dem Markt und lasse mich in das lebendige & bunte Treiben hineinfließen. Tauche ein.

Farben und Gerüche – Worte und Lachen – Blumenmeer und Farbenexplosion. Bali. Ich fühle es. Das Gefühl der tiefen Verbundenheit, der inneren Stille und Erfülltheit. Das Gefühl der Demut und der Liebe.

Ich habe es wiedergefunden, dass Bali meiner Erinnerung & Sehnsucht. Ich weiß dass war nur möglich, weil ich es davor losgelassen habe. Ein altes Bild musste in mir sterben, damit ich es neu in mir entdecken kann. Transformation eben.

Die Sonne geht auf. Ein neuer Tag beginnt. Und ab diesem Punkt verändert sich die Reise gänzlich. Ich miete ein Auto und wage es, in den balinesischen Verkehr einzutauchen. Wer einmal auf Bali oder in Asien war, weiß was das heißt. Aber das ist eine andere Geschichte….

Jedenfalls sind wir ab da frei, und besuchen wundervolle Orte. Ich fühle viel Freude, Leichtigkeit und dass ich mit einem wichtigen Teil meiner Vergangenheit hier in Frieden komme.

Terima kasih – Danke Bali … du hast mich (wieder) reich beschenkt…

Karin

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