Souljourney | Vom Sterben & vom Leben

Souljourney | Vom Sterben & vom Leben

Ich atme tief ein und aus. Ich fühle die ersten Sonnenstrahlen, von der schwachen Wintersonne, die gerade aufgeht. Ich weiß ich werde diesen Morgen & seine spezielle Stimmung nie vergessen. Momente die intensiv sind – die sich einprägen, in den Teppich unseres Lebens. Die Vögel zwitschern endlich wieder nach dem langen Winter.

Ich spüre hin zu diesem Morgen, fühle jetzt beim Schreiben: die Worte fließen nicht wie früher. Ich bin am Verarbeiten,  Nachspüren & Abschied nehmen. Dieser erste Morgen nach dem Tod meines Vaters war sehr intensiv. Hat sich eingewebt.

 

Uns fehlen gefühlt die Rituale die das Sterben eines geliebten Menschen hilfreich begleiten.

In anderen Kulturen gibt es zum Beispiel Klageweiber. Sie werden nach dem Tod des Verwandten gerufen und unterstützen die Trauerphase indem sie lautstark klagen und jammern. Ich habe mich früher gewundert wozu das gut sein soll. An jenem Morgen am Fenster stehend, erinnere ich mich daran, und fühle es macht Sinn. Es ist eine wundervolle Unterstützung für die Hinterbliebenen, um in ihre Emotion zu kommen & sie zu begleiten.

In unserer Kultur wird wenig bis gar nicht über den Tod gesprochen und es gibt wenig bestehende Rituale, die den Abschiedsprozess begleiten. Der Tod gehört fix zum Leben und ist das Einzige, das sicher ist nachdem wir geboren sind. Die Eckpfeiler des Lebens: Geburt & Tod.

 

Wir sind Seelenwesen, wir sind Energie.

Energie die die Form wechselt. Unsere Seele inkarniert in verschiedene Körper und macht ihre Erfahrungen. Wenn der Seelenweg in einem Leben zu Ende geht, dann löst sich die Seele vom Körper und setzt ihre Reise fort. Ein Zyklus. Das Ende ist der Beginn von etwas Neuem.

An diesem Tag im Februar erlebe ich intensive Gefühle. Wir finden neue Rituale für unsere Familie um Abschied zu nehmen und um zu Trauern. Ich sitze noch lange am Totenbett meines Vaters. Fühle das gemeinsame Leben, die Erlebnisse, die Liebe, die Natur, die Sterne – alles was er mir beigebracht hat und geöffnet hat. Ich fühle seinen Blick und Liebe…Liebe und Dankbarkeit. Tränen fließen und es ist gut. Es ist stimmig …es ist gut zu trauern. Abschied zu nehmen. Dankbarkeit zu fühlen, so tief und groß dass ich mich immer weiter ausdehne… Unendlichkeit ist fühlbar. Friede ist fühlbar. Alles darf sein. Ich bin.

 

Erinnerungen kommen hoch…

Ich fühle Vatis Hand in meiner, fühle den Wald um uns herum, höre seine Stimme die sagt: “ Weißt du ich fühle Gott nicht in der Kirche, ich fühle und finde ihn am besten im Wald…ich fühle ihn überall…. “ Diese Worte berühren mich als Kind tief und sie erreichen & öffnen meine Seele. Ich fühle Heiligkeit und tiefe Naturverbundenheit. Ich spüre Liebe für den wundervollen Menschen an meiner Seite. Seelenverbindung. Dankbarkeit.

 

Das einzige sichere am Leben ist der Tod

Seit ich denken kann beschäftigt mich das Thema Tod. Schon als Kind war ich innerlich immer wieder intensiv damit befasst. Was bedeutet es zu Sterben? Wie fühlt es sich an? Wohin gehen wir wenn wir sterben? Was bedeutet es für unser Leben – dieses Wissen, dass wir mit Sicherheit sterben werden?

Die Letzte ist die fast wichtigste Frage habe ich bald gefühlt. Es bedeutet für mich, dass es Sinn macht zu leben. Wirklich zu leben. Authentisch zu leben. Intensiv zu leben. Voll zu leben. So wie es uns entspricht. Es macht Sinn. Weil das Leben nicht endlos ist! Es ist ein Geschenk.

Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte.

Henry David Thoreau

 

Das war für mich ein sehr wertvoller Schlüssel: zu erkennen, dass die Angst vor dem Sterben direkt verbunden ist mit der Angst nicht zu leben. Nicht wirklich & intensiv zu leben. Da ist der goldene Schlüssel verpackt. Wenn wir erkennen, dass es sich lohnt intensiv und aus ganzem Herzen zu leben, dann löst sich unsere Angst vor dem Sterben auf, fühle ich.

 

5 Dinge die Sterbende bereuen – Buchtipp

Ich habe vor kurzem ein wundervolles Buch gelesen: „5 Dinge die Sterbende am meisten bereuen.“ Bronnie Ware, ich kann es sehr empfehlen! Bronnie hat jahrelang in der Sterbebegeleitung gearbeitet und hat 5 Dinge festgestellt, die die meisten Menschen bereuen auf ihrem Sterbebett. Ich möchte sie hier kurz aufzählen, und wirklich auf das Buch verweisen, es ist sehr lesenswert und öffnet neue Sichtweisen, für das oft so verschwiegene Thema Tod.

#1 Ich wünschte ich hätte den Mut gehabt mein eigenes Leben zu leben.

#2 Ich wünschte ich hätte nicht so viel gearbeitet

#3 Ich wünschte ich hätte den Mut gehabt meine Gefühle auszudrücken

#4 Ich wünschte ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten

#5 Ich wünschte ich hätte mir erlaubt glücklicher zu sein

 

Ein intensives Leben, 

dass zu Ende geht, war erfüllend und ist nicht von dem Gefühl geprägt, etwas verpasst zu haben. Verzeihen wir uns selbst. Alles was bisher war. Verzeihen wir anderen…und öffnen wir uns dafür zu leben. Jetzt. Ab jetzt. Intensiv und leidenschaftlich.

Für mich ist es ein wesentlicher Bestandteil meiner täglichen „Praxis“ – meiner täglichen Gedanken geworden, hin zu fühlen, ob das was ich gerade mache, sich in diesem Kontext stimmig anfühlt. Ob ich eines Tages, wenn ich sterbe fühlen werde, ja mein Leben war stimmig. Das fühlt sich sehr heilsam an. Es löst die Angst vor dem Sterben. Vor der Endlichkeit des Lebens.

 

Was zählt ist die Liebe…

& das gelebte Leben. Wenn du den Menschen die du liebst nur noch ein paar Sätze sagen könntest? Was würdest du zu ihnen sagen?

Es macht Sinn gut hinzufühlen und aus dieser Erkenntnis heraus zu leben. Es ist wundervoll wenn wir uns auf das Wesentliche ausrichten: Die Liebe.

Gleichzeitig fühle ich auf einer anderen Ebene ganz stark und klar, dass zwar das Leben in diesem Körper in dieser Inkarnation zu Ende geht, dass die Seele aber natürlich weiterlebt.

 

Spürbar anwesend ist. 

Es ist also beides: ein gefühlter intensiver Abschied und eine Auferstehung in unser wahres Sein. Eine Auferstehung oder Wiedergeburt oder Rückkehr ins Licht. Ein Nachhause kommen, in das göttliche Feld der Liebe und des Lichts.

Das ist Beides gerade stark da für mich. Wahrnehmbar & Fühlbar. Ich spüre aber eben auch ganz deutlich, trotz dieser bewußten Wahrnehmung der Seele in der feinstofflichen Welt, den Abschied in der physischen Welt.

Wir sind Energie, wir sind immer verbunden und ich fühle es ganz stark und klar so: wir brauchen keine Angst haben vor dem was nach dem Tod kommt. Ich fühle Licht, Liebe und Verbundenheit. Wir sind Seelenwesen und kehren nach dem Tod in die Ebene der göttlichen Liebe zurück – oder besser gesagt: wir sind nie getrennt von dieser Ebene – wir erwachen mit unserem Bewußtsein wieder in diese tiefe Wahrnehmung der feinstofflichen Welt.

Heilung im Licht – Anita Moorjani ist ein ganz wundervolles Buch über eine Nahtoderfahrung einer Krebspatientin, die ins Koma fällt. Sie beschreibt spürbar und klar was sie erlebt und was mit ihrem Bewußtsein und mit ihrer Wahrnehmung geschieht. Ihr wird freigestellt ob sie zurück möchte in ihren Körper und sie erfährt eine intensive Spontanheilung die medizinisch nicht erklärbar ist und gut dokumentiert ist. Sehr spannend…in jeder Hinsicht. Und lebensverändernd.

Es ist was es ist. Etwas geht zu Ende. Ich fühle Traurigkeit, Freude über das was gewesen ist und tiefe Dankbarkeit. Ich fühle Berührtheit. Tief und heilsam.

 

Ich fühle Liebe.

Bei der Feuerbestattung meines Vatis habe ich einen Brief an ihn vorgelesen. Es war nicht leicht für mich, so viele Menschen waren anwesend und so intensiv waren meine Gefühle. Es war sicher nicht die perfekte Rede. Es war eine Würdigung – ein Segen für unsere Wege die sich so lange & so intensiv verwoben hatten. Es war sehr emotional und wertvoll für mich. Ich weiß er hätte sich gewünscht, dass ich spreche.

Die Worte fließen nicht so wie sonst…. ich fühle es. Ich fühle aber auch, dass es wichtig ist darüber zu schreiben. Für mich. Vielleicht auch für dich?

Frieden ist in mir. Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, der Liebe und ein zartes Wiederauftauchen. Ein starker Lebensimpuls und ein Gefühl: Du wirst immer bei mir sein, mit mir verbunden sein. Es war ein Geschenk, ein großes Glück dich als Vati zu haben. Ich danke dir so sehr!! Worte reichen nicht aus, um auszudrücken was du mir bedeutet hast und wie wichtig du für mich warst. Ich danke dir – in Liebe & Verbundenheit.

 

Namasté

Karin

4 Comments
  • Elfi
    Posted at 10:56h, 01 Mai Antworten

    Liebe Karin…Ich bin tief berührt von deinen Worten, aber vor allem von der Energie die hinter deinen Worten schwingt. Ich danke dir für das mit- Teilen deiner Erfahrungen und das erinnern an die Essenz, das grosse Geschenkes der Liebe und des Vertrauens ins Leben, das all dies in sich birgt und aus ihm entsteht.

    • Karin Nikbakht
      Posted at 15:49h, 04 Mai Antworten

      Liebe Elfi,

      danke für deine Worte…. berührt… und dankbar für dein feinfühliges Wesen..dein Sein. Deine Worte fühlen sich stimmig und tiefgehend an… ich fühle meine Berührtheit und meine Worte sind angekommen. Danke dir

      Alles Liebe

      Karin

  • Monika Klein
    Posted at 12:26h, 01 Mai Antworten

    Liebe Karin, dies sind sehr berührende Worte – danke für die Einsicht in deine ganz persönliche Welt, die anregen, sich mit diesem Thema näher zu befassen!

    • Karin Nikbakht
      Posted at 15:50h, 04 Mai Antworten

      Liebe Monika,

      ja …das freut mich.. ich fühle es ist zu unrecht ein unbeliebtes Thema..es ist so wertvoll wenn wir uns damit auseinandersetzen… freut mich wenn dir meine Worte Lust drauf machen…

      alles Liebe Karin

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