#souljourney | Karin & die Stille…

#souljourney | Karin & die Stille…

Während ich jetzt hier sitze, knistert im alten finnischen Holzofen das Feuer und die Sonne geht leuchtend über dem Kokimäenjoki unter. Joki heißt Fluss auf finnisch. Hinter mir liegen 10 Tage in der Stille. Alleine. Ich mit mir.

Ich habe in den letzten Wochen gefühlt, dass mir etwas fehlt. Es war eher ein dumpfes, leises und unklares Gefühl im Hintergrund, aber es war eindeutig da. Hat mir leise zugeflüstert…. du hast etwas vergessen. Nimm dir Zeit. Soweit so gut. Ich habe im Alltag dann versucht mir Zeit zu nehmen.

Von vorne herein ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Mit 3 Kindern, einem Enkelkind, meiner Selbstständigkeit & sonstigen so nebenbei auftauchenden Dingen, die durchaus auch ordentliche Mengen an Zeit und Aufmerksamkeit erfordert haben, war es ein schier undurchführbares Unterfangen.

Das habe ich Anfang August dann auch gut erkannt und meine innere Stimme hatte die wundervolle Idee unsere Sommerhütte in Finnland aufzusuchen. Sommerhütte heißt auf finnisch übrigens: Mökki.

Hier bin ich nun. Auf einer Insel im Fluss, in der Holzhütte, ganz alleine- so wie ich es wollte. Ich mit mir. Ich sitze jetzt hier und spüre nach. Die letzten Tage waren sehr intensiv. Es war anfangs echt eine kleine Challenge in die Stille einzutauchen. War sie doch recht plötzlich & umfassend da.

Die Mission…

Außerdem war das innere Unterfangen, der Gegenstand der Observation sozusagen, doch eher weit gefasst oder besser gesagt: etwas dubios. Ein Gefühl es fehlt mir etwas….ich habe etwas Wichtiges am Weg vergessen.

Da war ich also. Mit meiner Yogamatte, meinem Notiztagebuch & einem Buch zur Unterstützung. Und natürlich der Stille. Um mich herum ist nur Natur. Fluss, Wälder, Wiesen, Felder & die Kraniche – die gerade Richtung Süden ziehen.

Ich liebe ihr besonderes Geschrei…es tönt immer wie aus einer anderen Welt.

Gut. Also da war ich nun. Aus meiner langen Erfahrung mit mir selbst heraus, ich bin 43 Jahre alt dieses Jahr, weiß ich inzwischen, dass es gut ist das Ziel nicht so direkt anzufahren. Besonders dann, wenn die Intention so unklar ist.

Ankommen…

Ich habe also hier begonnen jeden Morgen intensiv und ausdauernd die Matte aufzusuchen. Möglichst früh. Habe Asanas praktiziert & meditiert. Die restliche Zeit habe ich einfach die anfallenden Dinge ausgeführt. Ich habe Holz geholt. Habe im Garten gearbeitet. Die Sauna mit Wasser vom Fluss befüllt. Holz geholt. Essen gekocht. Holz geholt. Dieser Kreislauf findet, unterbrochen von stillen Momenten am Steg sitzend und auf den Fluss schauend, jeden Tag statt.

Du fühlst es glaube ich. Es war eine Art Meditation. Es war ein langsames & achtsames Eintauchen in den Raum der Stille. In den ich jetzt auf gleich – quasi von 100 auf Null nicht eintauchen kann. Das kenne ich & das macht auch Sinn.

Eintauchen…

Achtsames Einstimmen ist die halbe Miete.

Nach 3 Tagen habe ich gefühlt ich werde still. Es wird ruhig in mir. Das Kopfkino wird ruhiger. Ich atme ruhiger. Komme in der Stille an. Fühle einfach wie ich bin. Es ist nichts abzuliefern oder zu tun oder zu sein. Ich bin. Einfach so.

Ich atme & ich bin. Da. Hier und jetzt.

Dazwischen weiterhin geregelter – aber nicht monotoner, weil von tiefer Achtsamkeit durchdrungener, Tagesablauf. Außerdem erweitere ich das Spektrum. Ich dehne meinen Radius aus und wage mich in die  Wälder Finnlands. Ich gehe Schwammerl finden & Heidelbeeren pflücken. Die finnischen Wälder sind anders als bei uns. Tief und mystisch. Ich bin stundenlang unterwegs und treffe keine Menschenseele.

Die Stille wird immer lebendiger. Sie wird immer mehr mein Seinszustand. Ich fühle mich tief verbunden mit mir und mit dem Leben. Ich fühle Verbundenheit mit allem was ist. Das fühlt sich sehr paradox an, weil ich ja eben hier alleine in einer Hütte auf einer einsamen Insel im Fluss sitze. Aber ich fühle es so.

Durchbruch…

Und dann  plötzlich ist er da. Der Moment in dem das Licht durch die Wolkendecke bricht. Der Moment der tiefen Erkenntnis.

Ich liege mittags am Steg. Es ist frühherbstlich warm – der Sommer dauert in Finnland max von Mitte Juni bis Mitte August – und ich liege in der Sonne. der Himmel ist blau, und es ziehen ein paar Wolken vorbei. Es weht ein leichter Wind, der die feinen Birkenäste & das Schilf leicht bewegt und über meine Haut streichelt. Das liebe ich seit ich denken kann.

Ich liebe es warmen Sommerwind – so einen ganz leichten, zarten – auf der Haut zu spüren. Das ist Wohlgefühl pur. Passt auch zu meinem Sternzeichen. Ich bin Stier. Ein Astrologe hat mal gesagt zu mir: Stiere, das ist Sinnlichkeit pur.

Also gut. Zurück zum Steg: ich liege und fühle die Sonne und den Wind …. ich fühle wie das Leben durch meine Adern pulsiert und ich fühle das Glück in mir vibrieren. Einfach so. Ganz einfach. Weil der Moment so schön ist. Ich fühle mich so lebendig und voller Freude. Funken sprühen in mir.

Ich atme den Moment ganz tief ein, verinnerliche ihn… und plötzlich wird es mir bewußt.

Karin pur…

Das ist es. Dieses Gefühl hatte ich vermisst. So schön, so einfach und so pulsierend in mir. Pure Freude. Pures Glück in einem ganz einfachen Moment. Pures Lebensglück. Das bin ich. Ich weiß es plötzlich wieder. So fühlt sich Karin pur an. Ich brauche gar nicht viel. Ich brauche nur den tiefen – gefühlten also sinnlichen – Kontakt zu mir und zum Leben. Zum Wind. Zum Wasser. Zum Himmel.

Ich brauche Zeit um mich in solche Momente hinein zu entfalten und mich zu öffnen für sie.

Ich atme tief ein und aus. So eine Freude. Ich habe das dubiose Etwas gefunden. In mir wiederentdeckt. Mein Lebenselexier. Das tiefe Gefühl mit meiner Essenz verbunden zu sein.

Ich habe mich wiedergefunden in der Stille hier.

Ich habe es gar nicht gemerkt auf dem Weg, dass mir etwas abhanden gekommen ist, ein Teil von mir…. das letzte Jahr war auch sehr intensiv für mich. Am 24.12. ist mein Traum von Korfu zerplatzt – vorläufig…es ist noch zu früh darüber zu sprechen …aber es kribbelt schon in mir… bald kann ich drüber sprechen… – dann ist das Leben meiner Tochter an einem seidenen Faden gehangen…, ganz kurz nach der Geburt ihrer Tochter – wir sind mit Rettung ins Spital und das waren die heftigsten Minuten in meinem Leben, wer Kinder hat weiß wovon ich spreche. Im Februar ist mein lieber Vati nach langer Krankheit gestorben.

Ja. Es ist gut jetzt. Ich heile hier. Ich finde meine Teile in mir wieder. Sie sind hier. Sie kommen voller Freude zurück und wir alle ;-)) bereiten uns auf einen – wie ich fühle – wundervollen, um nicht zu sagen – fulminanten Neubeginn, vor.

Erfreuliche Schlussbemerkung: Nach meinem Glücksmoment am Steg, hat es in mir wieder begonnen…. das Gefühl es will etwas herausfließen aus mir….in die Welt. Ich liebe das sehr und bin voller Hingabe dabei ein neues Program zu kreieren. Mein Herz öffnet sich voller Freude.

Ich danke dir! Ich danke euch allen, die ihr meine Wege begleitet, laut oder leise, ich freue mich über alle Mails – Rückmeldungen – und Kommentare. Ich freue mich wenn ich Menschen berühre.

Ich möchte mich selbst und uns alle daran erinnern: Wer wir wirklich sind & was alles in uns steckt. Damit wir leben. Echt. Lebendig & leidenschaftlich. Pur!!

 

Alles Liebe zu dir.

#inlovewithlife

Karin

 

18 Comments
  • Heidi Guggenberger
    Posted at 21:16h, 28 August Antworten

    Liebe Karin.
    ich habe vor 2 Stunden deinen Blog gelesen und heute Nachmittag habe ich für mich beschlossen, dass ich mehr Stille brauche und Sehnsucht danach habe.
    Ich bin eine sehr aktive Frau, immer in Bewegung und lieber unter vielen Leuten als alleine.
    Deswegen war ich über diesen Gedanken sehr überrascht.
    Es fühlt sich gut an.
    Danke für deinen Bericht über die Stille.
    Genau das habe ich heute gebraucht, als Betätigung.
    Wohin ich gehe, weiss ich noch nicht, aber dass ich allein verreisen werde, ist mir klar.
    Alles Liebe
    Heidi

    • Karin Nikbakht
      Posted at 14:06h, 29 August Antworten

      Hej!

      Wie wundervoll! Das klingt nach einer klaren Entscheidung in dir…voll schön!! Genieß die Zeit, tauch ein in deine Stille & hebe deine Schätze… ich freu mich mit dir!

      Alles Liebe zu dir

      Karin

  • Susanne Heil
    Posted at 21:25h, 28 August Antworten

    Deine Worte und die Energie die dabei fließt tun sooo gut 🙂 …. Einfach heilsam !
    Alles Liebe dir

  • Claudia Hirrle
    Posted at 08:52h, 29 August Antworten

    LIebe Karin, so berührend und wertvoll, dass Du das mit uns teilst – der Weg in die eigene Stille nach vielen Herausforderungen . Ich freue mich schon auf das, was da neu aus Dir herausfließt und warte darauf, dass auch bei mir das Fließen wieder beginnt. Ich höre jeden Tag Deine Meditationoen aus Radiantly Alive und bin so dankbar, Dich gefunden zu haben. Ich melde mich bald. Alles Liebe, Deine Claudia

    • Karin Nikbakht
      Posted at 14:25h, 29 August Antworten

      Liebe Claudia!

      Das freut mich, dass meine Worte dich berühren… ja lass dich von ihnen öffnen und inspirieren…öffne dich für deinen Fluss!

      Alles Liebe Karin

  • Andrea M
    Posted at 15:37h, 29 August Antworten

    Liebe Karin, ich bin zu Tränen berührt – so groß ist mein Bedürfnis nach Stille auch gerade – hier in der quirligen, noch so sommerlichen Stadt! Ich spüre, mein Sommer ist vorbei, und ich freue mich nun in den Herbst einzutauchen. Auf ganz bald du Liebe ❤️
    PS. So tolle Fotos! (Mein Lieblingsbild ist das mit dem Fliegenpilz und deinen roten Gummistiefeln 😉 )

    • Karin Nikbakht
      Posted at 20:43h, 29 August Antworten

      Hej du Liebe!!

      Ich freu mich auch schon sehr auf dich… und das Leben… generell… es ist hier wirklich eine optische Erholung..fühlbar… ja ich mag das Bild auch :-))

      alles Liebe zu dir

  • Anett Burri
    Posted at 18:01h, 30 August Antworten

    So heilsam deine Zeilen. Danke fürs mitnehmen und teilen.
    Liebe Grüsse Anett

    • Karin Nikbakht
      Posted at 16:38h, 01 September Antworten

      So gerne liebe Anett! Ich freu mich über dein Eintauchen und Öffnen…

      alles Liebe zu dir

      Karin

  • Irka
    Posted at 23:40h, 30 August Antworten

    Liebe Karin,

    mir ging es heute so am Meer. Genau deshalb wollte ich unbedingt ans Meer. Die Weite. Die Stille. Das Rauschen. Das Fließen. Die Kraft. Die Lebendigkeit. Pulsiert. Und gleichzeitig still. Ohne Gedanken. Ohne Müssen. Einfach Wellen. Pure Lebenskraft.

    Mir tut es auch grad so gut, einfach diese Zeit zu sein. An einem Ort der Schönheit. Sich selbst, das Leben, den Fluss genießen. Und auch ich blicke nochmal neu auf mein Leben. Mein Wirken. Den sich gerade schließenden Kreis. Voller Dankbarkeit. Vollständigkeit. Bevor etwas neues in Schöpfung tritt.

    Liebe zu dir,
    Irka

    • Karin Nikbakht
      Posted at 16:39h, 01 September Antworten

      Liebe Irka,

      ja, das kann ich gut mit-fühlen…das Meer, es ist auch für mich immer ein wundervolles Eintauchen und öffnen für den Fluss und die Weite des Lebens… genieß die Zeit! Schön, dass es dich gibt….

      alles Liebe

      Karin

  • Kathrin Kroell
    Posted at 11:07h, 01 September Antworten

    Ja, du berührst sehr!! Danke fürs Erinnern ❤️ und deine Echtheit!! Beim Lesen und auch beim Webinar hatte man das Gefühl, selbst in der Mökki zu sitzen ☺️

    • Karin Nikbakht
      Posted at 16:41h, 01 September Antworten

      Oh …und du lässt dich berühren… so schön!! Und voll schön, dass du bei mir in der Mökki dabei warst… :-)) das habe ich gar nicht mitbekommen!

      Alles Liebe zu dir!

  • Monika Klein
    Posted at 10:03h, 05 September Antworten

    Liebe Karin,

    deine Geschichte hat mich tief in meinem Herzen berührt. Ich wünsche mir seit Längerem aus meinem Leben für kurze Zeit auszubrechen, unterzutauchen und zu mir zu finden. Auch für mich war das letzte Jahr sehr schwierig – mein Sohn hatte einen Frontalcrash mit seinem Auto, wurde mit dem Hubschrauber ins AKH gebracht, 6 Stunden notoperiert – du kannst dir also vorstellen, wie es mir in dieser Zeit ging! Seine Verletzungen sind teilweise noch immer nicht in Ordnung und er ist auf meine Hilfe teilweise angewiesen.
    Ich bewundere deinen Mut, dich vollkommen allein zurückziehen, in den Schoß der Natur. Ich weiß nicht, ob ich das Schaffen würde. Aber deine Worte, deine Geschichte machen mir Mut und bestätigen mir, dass es manchmal sinnvoll, ja sogar notwendig ist, sich zurückzuziehen um seine Gedanken, seinen Weg neu zu ordnen, sich zu finden. Im Aussen lassen wir uns viel zu leicht fremdbestimmen – auch ich, obwohl ich viel mit heilsamer Energie arbeite!
    Vielen Dank, dass du uns an deinen Gedanken, deiner Gefühlswelt teilhaben und daraus lernen lässt!
    Alles Liebe, Monika

    • Karin Nikbakht
      Posted at 12:17h, 06 September Antworten

      Oh ja… ich kann es mir vorstellen… Momente in denen die Zeit still steht… das ist gut – wenn ich dir Mut mache! Das freut mich sehr!!

      Alles Liebe zu dir

  • Monika Albegger
    Posted at 10:42h, 06 September Antworten

    Liebe Karin,
    deine Worte sind sehr berührend, authentisch und du bist wirklich mutig, ganz alleine in der Mökki. Ich war sehr neugierig, was du vermisst, diese pure Freude, aus dir heraus und war fast „enttäuscht“, denn damit bin ich gesegnet. Jetzt wird es aber spannend, irgendwas fehlt auch mir, und ich bin mir sicher in der Stille finde ich es, bzw. eine Ahnung habe ich schon, ggg.
    Meine große Bewunderung hast du zu 300%, dass du so viel schaffst und so kreativ bist, wowow, das wäre ich auch gerne!
    In Liebe, Freude und Bewunderung verbunden, herzlichst
    Monika <3 <3 <3

    • Karin Nikbakht
      Posted at 12:16h, 06 September Antworten

      Freude zu dir !! deine Zeilen lesen sich wundervoll…. ja… du bist das auch…wenn du dich für deinen Fluss öffnest!

      Alles Liebe

      Karin

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