Souljourney | Reise in die Stille oder was ich in der Wüste gefunden habe…Part II

Souljourney | Reise in die Stille oder was ich in der Wüste gefunden habe…Part II

Hier findest du Teil 2 meiner Wüstenerfahrung! Teil 1 findest du hier! Die Stille der Wüste ist intensiv. Ich sitze auf einem Kamel und reite. In Stille. Voller Vorfreude. Spüre die Kraft der Wüste. Spüre es werden intensive Tage. Ich möchte schon so lange hier her kommen. Nun bin ich da. Mir wird augenblicklich klar, dass es hier kein „Entkommen“ gibt. Das was in mir ist, wird sich unweigerlich öffnen.

Ich werde spüren was in mir ist. Es ist ja nicht so, dass ich sonst davonlaufe. Ich bin eindeutig jemand, der sich inneren Schatten & Themen stellt, aber ich weiß auch, dass das Getöse des Alltags manchmal so laut ist, dass es ein Leichtes ist, die innere Stimme und die Gefühle die hochkommen wollen zu überhören.

Es ist vollkommen klar: Hier geht das nicht.

Hier, an diesem Ort, in diesem Feld ist alles da – was da ist – zeigt sich und es ist gut so. Ich will nicht ausweichen. Ich bin bereit zu spüren. Zu sein. Ich bin bereit zu leben.

„Die Wüste reinigt die Seele.“ Arabisches Sprichwort

 

 

Ich bin bereit für Reinigung. Ja bin ich. Die Sonne geht unter und plötzlich sind die Dünen gefühlt vibrierend. Das Licht ist fantastisch. Die Dünen leuchten richtig. Ich bin fasziniert und tauche ein. Das gleichmäßige Schaukeln meines Kamels, die Stille und die Landschaft verzaubern mich. Ich fühle mich wie in Trance und gleichzeitig ganz klar.

Bei unserer Ankunft ist es schon fast dunkel.

Wir gehen eine Düne hoch und von oben sehe ich das Lager. Zelte im Kreis um eine Feuerstelle, alles sieht wundervoll einladend aus. Ein Gefühl heimzukommen kriecht meine Wirbelsäule hoch. Wir werden von Baraks Familie mit einem wundervollen Essen & Trommelklängen mit Gesang empfangen.

Später erfahre ich dass der Name Berber nicht so beliebt ist. Der Name Berber stammt vermutlich vom griechischen Wort Bárbaros ab, möglicherweise vermittelt durch das Lateinische und bedeutet Barbaren. Die Berber hier nennen sich Amazier. Amazier bedeutet sinngemäß „Freier Mann“ das gefällt mir sehr gut. So fühle ich die Amazier auch. Stolz, frei, lebendig und mit einem offnen Herz. Sie berühren mich vom ersten Augenblick an.

 

 

Wie anders das Leben doch sein kann.

Wir leben alle auf dem gleichen Planeten, und dieser wundervolle Ort hier ist nur ein paar Flugstunden von zuhause entfernt und doch eine gänzlich andere Welt. Der Sternenhimmel ist atemberaubend. Ich schaue lange hoch und spüre das Leben & das Glück in mir.

Wir beginnen den nächsten Tag mit einer Yogapraxis direkt in der Wüste. Davor war ich noch zu Fuss im Morgengrauen auf der höchsten Düne in Lagernähe. Die Aussicht ist faszinierend und das Licht sehr speziell. Es ist sehr diesig und daher geht die Sonne silber auf. Alles ist in Silberlicht gehüllt.

Magisch und sehr geheimnisvoll.

Wir verbringen den Tag sehr in Stille, es gibt viele schöne Plätze und ich sitze lange und schaue nur in die Wüste. Ich fühle ich brauche Zeit um hier anzukommen. Dann schlafe ich. Es ist sehr heiß und die Stimmen in mir kommen nicht zur Ruhe – noch nicht. Ich kenne das von mir. Ich bin bereit und bleibe wo ich bin. Tauche tiefer. Im Vertrauen, dass sich der Raum der Stille des Einsseins in mir öffnet.

Später sitzen wir zusammen Gitarre wird gespielt, Trommel & Flöte und wir singen Mantren. Ich singe mit. In der Schule wurde mir immer gesagt ich soll nicht wirklich mitsingen, nur so tun als ob, damit ich die anderen nicht herausbringe. Ich beschließe von nun an mitzusingen. Es macht mir einfach viel zu viel Freude. Ich bin einfach glücklich. Wir singen über 2 Stunden.

 

 

Am nächsten Morgen fühle ich wie die Stille sich in mir legt, wie ich eintauche und es ruhig wird in mir.

Ich sitze und schaue. Lange tauche ich ein. Ich fühle einfach nur, spüre das Feld & die Energie der Wüste. Sauge es in mir auf. Bin. Einfach so. Still. Wundervoll verbunden. Ich fühle mich so beschenkt.

Abends zieht es mich nach der Yogapraxis allein auf eine Düne. Sie ruft mich. In den letzten Tagen und Stunden sind viele Emotionen hochgekommen, eine alte Geschichte die mich schon länger nicht mehr beschäftigt, möchte auftauchen und sich lösen. Die Traurigkeit und der Schock, den ich bei dem Tod meines Vaters vor 8 Wochen gespürt habe ist auch bereit abzufließen. Ich sitze in der Abendsonne auf der Düne und weine.

Lasse alles fließen.

Fühle es ist gut. Fühle es gibt nichts zu tun. Ich bin da. Ich fühle & ich lasse es fließen. Es heilt in mir. Ich heile. So einfach. Einfach so. Ich bin.

Abends fühle ich mich wie verwandelt. Leicht. Eine Welle ist durchtaucht. Ich singe mit, wir tanzen, der Oussidi Clan gibt musikalisch alles. Es ist wundervoll. Der Trommeltakt, die Stimmen, das Leuchten in den Augen. Freie Menschen. Ja das sind wir. Der unendliche Sternenhimmel über uns. Die tiefe Verbundenheit. Der Rhytmus. Die Lebensfreude. Freiheit in mir.

Ich liebe es so viel Himmel zu sehen, die Weite zu fühlen. Es fühlt sich so frei und endlos an. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich.

In mir wird eine Vision, die ich schon losgelassen hatte nun ganz klar und stark. Meine innere Stimme flüstert mir zu: Mach es! Einfach so. Alles wird gutgehen. Alles ist gut. Es ist dein Weg. Es ist Zeit loszugehen, es zu wagen. Deine Träume auf die Erde zu bringen. Es ist soweit – bist du bereit? Fragt sie die innere Stimme. Ich tauche ein in den Gesang, die leuchtenden Augen und fühle: Ja ich bin bereit.

 

 

Das ist ein so wichtiger Moment für mich.

Ich weiß es im gleichen Augenblick. Es ist klar. Ich habe mich entschieden und nun gebe ich den Impuls ins Feld. Bin voller Vorfreude und aufgeregt & gleichzeitig fühlt es sich so leicht und einfach an.

Am letzten Tag, ist es sehr windig, Sand peitscht uns um die Ohren. Ich lasse mich vom Wind durchwehen und am Abend reiten wir auf den Kamelen wieder zurück. Wir bekommen von den Amazier wundervolle Turbane gebunden und los geht der wilde Ritt. Durch die Dünen, der Wind pfeift, die Sonne leuchtet wieder silber. Sehr intensiv das Licht. Ich bin voller tiefer Freude und Stille.  Es ist so schön hier zu sein. Genau das zu erleben. Ich sauge jeden Augenblick ein. Sauge die Energie der Wüste ein. In jede Zelle.

Ich weiß ich werde bald zurückkommen um länger zu bleiben. Diese Tage waren intensiv und kurz. Ich fühle mich hingezogen länger einzutauchen. Fühle die Wüste wie ein Meer. Ich liebe das Meer. Ich fühle mich reich beschenkt. Besonders die Begegnung mit den Amazier hat mich tief berührt.

Sie hat mir gut getan…

die Begegnung mit der Wüste. Hat mich an einen Teil von mir erinnert, den ich gerne zu mir zurücknehme, den ich bereit bin zu leben. Die Vision meiner Seele hat sich in der Wüste in mir verankert. Tief und echt. Lebendig!

Den Abschied fühle ich nicht als Abschied, ich fühle wir sind verbunden, alles was ich erlebt  habe ist in mir. Ich bin nicht getrennt davon. Raum und Zeit lösen sich auf in diesen Tagen.

Es geht zurück nach Marrakech. Die Gruppe ist fühlbar zusammengewachsen. Wir sind eine feine Gruppe, bunt zusammengewürfelt und dennoch so stimmig. Es entstehen immer wieder wundervolle Begegnungen und Gespräche. Ich fühle wir erhalten viele Schlüssel in den Gesprächen, die wir uns gegenseitig übergeben. Es ist einfach schön. Ich war vorher nicht so sicher wie es sein wird für mich – es ist meine erste Gruppenreise. Ich bin gewohnt zu tun was ich tun will. Ich lerne hier viel in dieser wundervollen Gruppe & fühle mich gut aufgehoben.

Ich bin schon am Besprechen wann ich die erste Wüstenreise – ein Retreat in der Wüste anbieten werde. Es fühlt sich stimmig an. Ich fühle die Wüste lädt uns ein – zu uns zu kommen – uns selbst in der Tiefe zu begegnen und unserer Seele zu lauschen.

Ich bin voller Dankbarkeit

alles Liebe

Karin

@ photocredits: alle Bilder von Barak Oussidi – Saharayoga

7 Comments
  • Andrea Me
    Posted at 17:46h, 17 Mai Antworten

    … ich spüre sie so sehr, beim Lesen deiner Worte, die Wüste, die Kraft, die Liebe, die Freiheit. Ja, auch ich werde wieder da hin „reiten“, ganz bestimmt….. Danke für dein Erinnern und mich Eintauchen lassen!

    • Karin Nikbakht
      Posted at 07:24h, 22 Mai Antworten

      Du Liebe – Andrea, deine Bilder und dein Erzählen haben mich in die Wüste gezogen. Ich danke dir! Alles Liebe Karin

  • Katharina
    Posted at 15:16h, 20 Mai Antworten

    Danke! <3

  • Jerome
    Posted at 15:48h, 19 Dezember Antworten

    Das hast du sehr schön beschrieben: Ich hatte ebenfalls im Getöse des Alltags meine innere Stimme verloren. Ich der Stille der Wüste habe ich sie zum Glück wiederfinden können.

    • Karin Nikbakht
      Posted at 15:07h, 27 Dezember Antworten

      Das ist ganz wundervoll… ja… in der Stille der Wüste zu sein und in sie einzutauchen ist ein wunderschönes Geschenk!

      Alles Liebe zu dir

  • Gabriele Krings
    Posted at 18:42h, 16 Mai Antworten

    …bin ich schon mit in deinem Buch das du am schreiben bist?!…Hier zu lesen ist gefühlt mit Dabeizusein ..“ Es ist kein Abschied .nein! Ich habe alles in mir. Wir sind miteinander verbunden“….so wahr fühlt sich diese Einsicht an..so schön! Wie auch immer dein Buch ausgestattet ist!: Ich werde es lesen!
    Ich liebe dieses Märchen
    Aus 1001 Nacht
    Und voller Versprechen!
    …… 🌙

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